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Freie Radikale

Wissenschaftler haben verschiedene Theorien, warum wir altern. Eine davon besagt, dass so genannte freie Radikale in Laufe der Zeit im Körper Schäden anrichten. Freie Radikale sind hochreaktive Verbindungen, die die Zellen permanent schädigen oder zum Tod der Zellen führen. Damit beschleunigen sie den Alterungsprozess. Über 10.000 freie Radikale entstehen Tag für Tag in jeder Zelle. Sie bilden sich bei Stoffwechselprozessen und reagieren mit allen Substanzen, die mit ihnen in Berührung kommen, so auch mit Körpergewebe, der Erbsubstanz und Substanzen der Zell- und Körperflüssigkeit. Problematisch für den Körper ist nicht nur die unmittelbare hohe Reaktivität der freien Radikale, sondern die Tatsache, dass sie Radikalkettenreaktionen auslösen können. Hierbei greift ein Radikal ein anderes Molekül an, zerstört es und setzt dabei weitere Radikale frei. Unter ungünstigen Umständen kann so ein einziges freies Radikal Tausende von Molekülen zerstören.

Da nun im Körper ständig Radikale freigesetzt werden, wird auch ständig erheblicher Schaden durch diese Moleküle angerichtet. Um durch diese Umwelteinflüsse nicht vollständig zerstört zu werden, verfügt der Körper über Abwehr- und Reparaturmechanismen, welche die Schäden durch Radikale zumindest begrenzen können. So bildet der Körper Antioxidantien, zumeist enzymatische Substanzen, die als Radikalenfänger wirken und dafür sorgen, dass die Radikalkonzentration zumeist begrenzt wird. Die Menge der Radikalenfänger, die der Körper bilden kann, ist jedoch begrenzt, so dass immer wieder Gewebe- und Zellschäden durch Radikaleinwirkungen auftreten. Der Umfang der Schäden kann nur statistisch ermittelt werden. Je höher die Radikalkonzentration im Verhältnis zur Konzentration der Radikalenfänger ist, desto mehr Schäden pro Zeiteinheit treten auf. Die Tatsache, dass die Konzentration der natürlichen Radikalenfänger im Körper relativ gering ist,...

führt dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein freies Radikal auf einen Radikalfänger trifft, bevor es einen Krater in die nächste Zellwand sprengt, gering ist. Treten aber Schäden am Körper auf - was, wie gesagt, statistisch gesehen häufig der Fall ist - bleibt dem Körper nichts anderes übrig, als diese zu reparieren oder mit dem auftretenden Defekt zu leben, da die Reparatur nicht immer alle Schäden beheben kann. In letzter Konsequenz bleibt nach vielen kleineren Schäden an einer Zelle daher nichts anderes übrig, als diese auszutauschen. Der Austausch von defekten Zellen funktioniert auch in jungen Lebensjahren recht gut, aber langfristig gibt es dabei mindestens zwei Probleme:

1. Die Zahl der möglichen Zellteilungen wird durch eine Art zellinternes Zählwerk begrenzt. Dieser Effekt ist als Hayflick-Effekt bekannt und wurde weitgehend noch nicht enträtselt.

Es wird seitens einiger Altersforscher vermutet, dass dieses Zählwerk den Sinn hat, die Lebenszeit von mehrzelligen Individuen zu begrenzen. Da der Hayflick-Effekt bei allen Mehrzellern in fast der gleichen Form existiert, ist er wohl durch Evolution entstanden und bietet Lebensformen mit sexueller Fortpflanzung einen erheblichen evolutionären Vorteil. Der Hayflick-Effekt ist eine Art Uhr des Lebens. Mit jeder Zellteilung verlieren wir Regenerationspotential und nähern uns der letzten möglichen Regeneration der Körperzellen.

2. Die Kopie einer Zelle wird bei den einzelnen Teilungen immer fehlerhafter. Der zweite Effekt ist auf die Zerstörung der Informationsträger der Körper-DNS; -RNS zurückzuführen. Auch hier fehlt aber noch die letzte wissenschaftliche Klarheit über die damit verbundenen Zusammenhänge. Fakt ist nur die Tatsache an sich.

Jede durchgeführte Teilung vermindert die Funktionalität einer Körperzelle, weshalb die Alterung zum Teil auf mehrmals geteilte und dadurch dysfunktionale Zellen zurückzuführen ist. Das Prinzip der Alterung kann also vereinfacht folgendermaßen dargestellt werden: Überwiegend durch Radikale werden im Körper Schäden angerichtet, die durch Reparaturmechanismen ausgeglichen werden. Diese Reparaturmechanismen werden jedoch immer fehlerhafter, werden sogar an einem bestimmten Zählerstand der Zellteilung völlig ausgeschaltet und führen so zu einer ständigen Verschlechterung der Funktionalität, der Stabilität und damit der Gesundheit der Körpers. Altern ist also die zunehmende Einschränkung der Körperfunktionen durch Schäden radikalischer Reaktionen und deren unvollständiger Reparatur. Im ungünstigsten Falle können Radikale Krebs erzeugen. Krebs wird durch Schäden am Erbmaterial einzelner Zellen ausgelöst. Da ein statistischer Zusammenhang zwischen Radikalkonzentration und...

Krebshäufigkeit besteht, kann man vermuten, dass diese Schäden am Erbmaterial unmittelbar durch Radikale verursacht werden. Treten im Körper entzündliche Prozesse auf, verschlimmert sich die Situation gegenüber der Normalbelastung erheblich. Gerade bei diesen Vorgängen kommt es zu einer erheblich erhöhten Freisetzung von Hydroxylradikalen. Bei Krankheiten wie z.B Arthrose führen ausschließlich diese Radikale zu irreparablen Schäden am Körpergewebe und an den Knochen. Schafft man es, die Konzentration der freien Radikale im Körper niedrig zu halten, erhöht sich nicht nur das erreichbare Lebensalter, man kann vor allem die zweite Lebenshälfte ohne nennenswerte Einschränkungen der Gesundheit und Vitalität begehen. Auch werden Dauer, Häufigkeit und Auswirkung von Krankheiten eingeschränkt und die Kondition steigt, da der Körper weniger mit der Reparatur seiner Systeme beschäftigt ist.

So ist es heute nachgewiesen, dass Herz- und Kreislauferkrankungen, degenerative Erscheinungen, Immunschwäche, Krebs und viele andere Erkrankungen auf den mittelbaren oder unmittelbaren Einfluss von (freien) Radikalen zurückzuführen sind. Immer wieder zeigen neuere Statistiken, dass die Verminderung der Radikalkonzentration im Körper daher auch zu einer signifikanten und drastischen Verminderung der allgemeinen Erkrankungshäufigkeit bei diesen Zivilisationskrankheiten führt. Diese Folgerung, der heute immer mehr Wissenschaftler aus allen medizinischen und pharmakologischen Disziplinen zustimmen, ist Anlass genug, zu untersuchen, wie wir die Radikalkonzentration im Körper begrenzen können.